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Naturdenkmal Johannissteine

Das Gebiet "Johannissteine" liegt an der südöstlichen Grenze der Kernstadt Lage. Drei mächtige erratische Granitblöcke bilden die eigentlichen Johannissteine. Der größte Brocken ist 6,20 Meter lang, 5,50 Meter breit und wiegt 200 Tonnen. Ein Stein liegt exakt in Nord/Süd-Richtung, ein weiterer rechtwinklig dazu. Zwei Fünfkantlöcher stammen nach der Theorie von Heimatforscher Erich Neumann aus frühgeschichtlicher Zeit und erlauben unter Einsatz von Stäben die präzise Lokalisierung der Wintersonnenwende. Auch die anderen jahreszeitlichen Wendepunkte lassen sich von den Johannissteinen aus bestimmen. Neumann hat ferner 15 Einmeißelungen entdeckt. Jahrhundertelang war das Ensemble unter aufgeschütteter Erde verborgen, bis es vermutlich 1768 entdeckt wurde.

Eine frühgeschichtliche Kultstätte?

I. Allgemeines

Bisher sind diese Findlinge nur als gewichtige Zeugen der Eiszeit weit über die Grenzen des Lipperlandes hinaus bekannt geworden. Im Bereich der Lageschen Feldmark, im Seelenkamp und an den Johannissteinen fand der Heimatforscher Rudolf Köller in den Jahren 1948 - 1952 Feuersteinabsplisse, Artefakte und Eisenschlacke. Er formulierte: "Wenn auch ihr Ursprung in Dunkel gehüllt... ist, so schrieb doch fernste Vorzeit an dieser Stätte schon ihre Runenzeichen. Sie reichen weiter zurück als Urkunden und Sagen."

II. Beschreibung der Einmeißelungen an den Steinen

Stein 1 (der sogenannte "Opferstein")

Auf seiner Südseite, unter einem Überhang, befindet sich ein "großes Herz" mit den Maßen 40 x 40 cm und einer herausgearbeiteten Tiefe von 10 cm. Darüber ein Zeichen, das wie die Rid-, Rad- oder Red-Rune aussieht. Es gleicht dem großen "R" der gebräuchlichen Druckschrift. Auf gleicher Höhe mit der "Rune" befinden sich drei diagonal verlaufende Kerben von unterschiedlicher Länge (40, 30 und 15 cm). Auf der Oberseite von Stein 1 befinden sich zwei Fünfkantlöcher mit einem Durchmesser von jeweils 40 mm und einer Tiefe von 150 mm. Ein drittes fünfeckiges Zeichen (Pentagramm, 50 x 10 mm) ist auf der abgerundeten Oberkante (Westseite) von Stein 1 auszumachen. Ich vermute, dass die drei eine noch unbekannte Einheit bilden. Der Hinweis, dass die Fünfkantlöcher in der Zeit der Renaissance als Sprenglöcher angebracht worden sein könnten, ist zurückzuweisen. Laut Prof. H. W. Wild gilt dies nicht: "Es handelt sich bei den Fünfecklöchern mit absoluter Sicherheit nicht um Sprengbohrlöcher!" (Lehrstuhlinhaber für Sprengtechnik, Okt. 1995, brieflich)

Stein 2

An der Südflanke, links, ein ovales Näpfchen mit den Abmessungen 13 x 12 x 2 cm. Darüber zwei kleine Löcher (Bohrungen). Das ganze wird durch eine tiefe Bogenkerbe (40 cm) überdacht. Alles zusammen ähnelt einer Gesichtsmaske. Links neben dem Bogen, in unauffälliger "Pick-Ausführung", ein Kreis von 10 cm (die Sonnenscheibe darstellend!). Auf der rechten Seitenkante ein sehr markantes Zeichen mit den Maßen 8,5 x 7,5 x 1 cm. Dem Besucher drängt sich der Vergleich mit einem Pferdehuf auf. Auf der Nordseite, hoch gelegen, eine "sitzartige" Austiefung mit sichtbaren Bearbeitungsspuren. Rechts unter dem Sitz ein Sechskantloch, das "liegende Hexagramm". An einem nordwestlich gelegenen Felsvorsprung zeigt sich eine für den Laien nicht so leicht erkennbare keilartige Flachmeißelung. Sie erinnert in ihrer Form an eine Dolch- oder Lanzenspitze.

Stein 3

Auf seiner flachen Nordpartie weist er ein Kegelloch auf, das im Ansatz einen Durchmesser von 34 mm besitzt. Derartige Bohrungen werden mit dem Sonnenkult in Verbindung gebracht werden (u. a. Leo Nebelsiek, Detmold 1967). "... das Bohren oder auch nur Anbohren des Steins (war) zu einer heiligen Handlung geworden ... ." In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass man an den drei Hauptsteinen insgesamt noch 7 Bohrlöcher sowie 6 Bohrlochhälften feststellen kann - alle mit einem Durchmesser von 27 mm und einer Tiefe von ca. 37 bis 38 cm. Die Südflanke von Stein 3 trägt ein weiteres Symbolzeichen, ein kleines Herz. (60 x 60 x 8 mm). Rechts daneben, auf gleicher Höhe, eine längliche Vertiefung (45 x 25 x 8 mm). Hier, in der liegenden Darstellung, möglicherweise das "Tel" Zeichen (Tellus), das eigentliche Ideogramm für Erde.

Soweit die wichtigsten Zeichen und Bohrungen an den Johannissteinen. Von großer archäologischer Bedeutung sind auch die in ihrem Umfeld gefundenen Artefakte. Auf den frisch gepflügten Äckern wurden vom Herbst 1976 bis 1980 insgesamt 24 Flintstücke gefunden. Diese weisen nach Aussagen von Herrn Dr. Hohenschwert, Detmold, eindeutige Bearbeitungsspuren auf. Unter ihnen sind zerbrochene Kernsteine, dunklere und hellere, unterschiedlich stark patinierte, klingenförmige und breitere Abschläge. Einige dieser Stücke können nach Dr. Hohenschwert der mittleren Altsteinzeit (ca. 50.000 v. Chr.) zugeordnet werden. Ein besonders auffälliges und wichtiges Fundstück ist eine Steinaxt aus dunklem, feinkörnigem Felsgestein. Sie besitzt einen fünfeckigen Umriss und stammt nach Dr. Günther, Bielefeld, aus der späten Bronzezeit (1000 - 500 v. Chr.). Die Steinaxt zeigt starke Feuereinwirkung bis zur Versinterung. Damit ist nach Dr. Hohenschwert ein Hinweis auf eine Feuerstelle im Bereich einer Siedlung gegeben. Solche Besiedlungshinweise auf den umliegenden Äckern sind von großer siedlungsgeschichtlicher und wissenschaftlicher Bedeutung. Die Fundserie rund um die mächtigen Steine spricht dafür, dass hier einmal planmäßige Ausgrabungen durchgeführt werden sollten.

III. Vorsichtige Deutung der an den Steinen vorgefundenen Symbolzeichen

Nach Neumanns / Lippeks Ansicht ist an den Steinen das Wirken zweier unterschiedlicher Kulturstufen ablesbar. Eine bedeutungsvolle Funktion - die einer Gerichtsstätte - lässt sich mit allem Vorbehalt an der Nordseite von Stein 2 erkennen. Der Norden galt unseren Vorfahren als Schatten-, Nacht- und Totenseite. Aus dieser Einstellung heraus befanden sich vielfach die Gerichts- und Richtstätten auf der Nordseite der Thingplätze. Ein Brauch aus Vorzeiten, der sich noch heute an alten Gohgerichten feststellen lässt (z. B. an der Stoppelburg bei Rolfzen. Die Johannissteine tragen ebenfalls eigentümliche Merkmale alter Rechtsprechungsbräuche. Die "Sitznische" und das "liegende Hexagramm" befinden sich bezeichnender Weise auf der Nordseite von Stein 2. Der Sechsstern (Hexagramm) in seiner liegenden Darstellung besagt nach alter Überlieferung Vernichtung, Sterben, Tod und fügt sich sinnvoll in das Gerichtsbild ein.

IV. Zusammenfassung
  1. Insgesamt wurden bisher 15 Einmeißelungen an den Findlingen festgestellt; daneben 7 neuzeitliche Bohrlöcher sowie 6 Bohrkanäle.
  2. Auf den angrenzenden Ackerflächen wurden Feuersteinabsplisse und Artefakte gefunden, die auf einen haüfigeren Besuch u./o. eine intensive Nutzung der Johannissteine in der Steinzeit schließen lassen.
  3. Die Johannissteine waren als auffälliges Naturdenkmal in exponierter Lage möglicherweise ein Ort vorgeschichtlichen Kultes. (Neumann, Lippek 1981)
V. Die Johannissteine - ein Bodendenkmal

Seit Oktober 1990 sind die Johannissteine auf Veranlassung von Dr. Günther, Bielefeld, zum Bodendenkmal erklärt worden. Begründung: "... weil die Steine als mutmaßliche Opferstätte ... und für die wiss. Erforschung der Steinzeit von erheblicher Bedeutung sein können."

Eine (vor-)frühgeschichtliche Kalenderanlage?

Historische Fakten:

Durch Dünnschliffuntersuchungen der Universitäten Münster, Greifswald und Upsala (Schweden) wurde 1926 festgestellt, dass die Johannissteine mit größter Wahrscheinlichkeit aus dem Bereich der Aland-Inseln, zwischen den Städten Stockholm und Turku (Finnland), stammen (Spiekerkötter, Jahrb. Nat. Wiss. Verein, Bielefeld). Die Findlinge gelangten im Verlauf der größten Vereisung Nordeuropas (Saale-Eiszeit; vor ca. 200.000 Jahren) in unseren Bereich. (Neumann, 1983)

Das System der Sonnenbeobachtung an den Johannissteinen

Untersuchungsergebnisse (E. Neumann, Jan 1984):

Ein wesentliches Merkmal, welches auf eine Ortungsanlage hinweist, ist die rechtwinklige Lage von Stein 1 und Stein 2 sowie die besondere Lage von Stein 3 zum Fünfkantloch Nr. 2.

Stein 1 gibt dabei die Nord-Süd-Richtung und Stein 2 die Ost-West-Richtung an. Die Nord-Süd-Achse entspricht dem Meridian - der Mittagslinie. Die Ost-West-Achse ist gleichliegend mit der Richtung zu den Auf- und Untergangspunkten der Sonne zu den Tagundnachtgleichen am 21. März und am 23. September. Damit gestattet die offensichtlich "himmelsorientierte" Anordnung der Steine die genaue Berechnung der Richtung zu den Auf- und Untergangspunkten der Sonne in den Wenden (Azimute). Außerdem ist so eine Überprüfung der Fixpunkte im Horizontprofil in Bezug zu den Steinen im Rahmen der vermuteten Kalenderanlage möglich.

Dass Stein 1 und 2 in ihren Hauptachsen rechtwinklig zueinander liegen, ließe sich noch durch bloßen Zufall erklären. Mit Hilfe mathematischer Berechnungen lässt sich ermitteln, dass die Anordnung der drei Steine zu 99,998 % (1:46.656) nicht von Zufällen bestimmt worden ist (Lippek Juni 2001 mündlich). Dafür sprechen auch die anthropogenen Einwirkungen wie Einmeißelungen, Bohrungen und dergleichen. Prof. Bock bezeichnet es als mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" für unglaubhaft, dass künstliche Markierungen sich zufällig an der richtigen Stelle befinden könnten (Prof. Bock "Menhire", Frankfurt, Rundschreiben 1982).

Derartige künstliche Markierungen finden sich nun zweifelsfrei an Stein 1, z. B. zwei Fünfkantlöcher und an Stein 3 eine künstliche Stufe (Neumann 1979).

Gründe, die für eine astronomische Ortungsanlage sprechen:

  1. Die Hauptachsen der Steine 1 und 2 liegen rechtwinklig zueinander. Stein 1 in Nord-Süd, Stein 2 in Ost-West-Richtung.
  2. Die beiden Fünfkantlöcher auf Stein 1 liegen genau in der Sonnenaufgangsrichtung der Wintersonnenwende (resp. SU zur SSW).
  3. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies eine steinerne Kalenderanlage war (und noch sein könnte), beträgt 99, 998 %.
  4. Die Findlinge liegen auf dem "Johannisberg", der auch heute noch mehr oder weniger freie Sicht auf die SA und SU gewährt.
  5. Die Anlage befindet sich in zentraler Lage innerhalb des Westlippischen - Berglandes.
  6. Weitere Findlinge im Nahbereich der drei Hauptsteine lassen auf eine größere Anlage (Steinkreis) schließen.
  7. Sind die Mittelpunkte (Thingplätze etc.) der Siedlungsräume nach den Linien der Kalenderanlage ausgerichtet? Von den 7 urgeschichtlichen Höfen Lages liegen 5 auf einer Sonnenaufgangs - bzw. Sonnenuntergangslinie. (Neumann 1984)
  8. Prof. W. Schlosser, Astronomisches Institut, Ruhr-Universität Bochum, hat nach Augenscheinnahme im Juli 1999 die Johannissteine in sein Forschungsprogramm: "Archeoastronomische Felsdenkmäler in Eurasien" aufgenommen.

Mit freundlicher Genehmigung aus den Informationsflyern des Herrn Lippek / Herrn Thevis entnommen.

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