Näher dran als alle anderen
Dirk Wulfkühler
produzierte in einjähriger Arbeit Film über Aus- u. Einbau d. Heidener Glocken
Lage-Heiden (be). Näher als Dirk Wulfkühler war niemand dran. Hautnah hat der 43-Jährige den Aus- und Einbau der Glocken der Dorfkirche zu Heiden mit digitaler Film- und Fotokamera dokumentiert und dabei jeden Handschlag der Fachleute im Verlauf der Arbeiten verfolgt. Herausgekommen ist ein aufwändiger, hoch professioneller Film. Morgen findet nach dem Gottesdienst im Kirchcafé die Uraufführung des Werks statt, das dann sowohl als VHS- als auch DVD-Version erhältlich sein wird.
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Dirk Wulfkühler (43) an seinem Arbeitsplatz: Mit Hilfe eines elektronischen Schneideprogramms hat er jede Szene des Films bearbeitet und mit Musik und Kommentaren unterlegt. (Foto: Becker) |
Vor
genau einem Jahr mussten alle drei historischen Glocken der
evangelisch-reformierten Kirche demontiert werden. Aufgrund eines Gussfehlers
beziehungsweise starken Materialschwunds am Schlagring drohten sie zu zerbrechen
und sogar abzustürzen. Ein Herforder Unternehmen baute damals das über 500
Jahre alte Geläut aus und brachte es zu einem Fachbetrieb nach Nördlingen in
Bayern. Dort mussten neue Schlagringe eingeschweißt werden. Außerdem wurde die
"Krone", die gegossene Aufhängung der größten der drei Glocken,
repariert.
Dirk Wulfkühler zwängte sich in die enge Glockenstube und hielt jeden
Handgriff der Männer fest, die zunächst die Glocken ausbauten und ein halbes
Jahr auch wieder einbauten. "Ich habe zu den Beschäftigten im Laufe der
Zeit ein fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Es störte sie überhaupt
nicht, wenn ich auch mal eine menschliche Regung beim Verrichten der Arbeit
aufnahm", so der gelernte Maschinenschlosser, der eine Weiterbildung zum
DTP-Mediendesigner erfolgreich absolvierte.
Umrahmt hat er den Film über die Renovierungsarbeiten mit Erläuterungen zum
Reparaturbedarf, die Pfarrer Dieter Bökemeier spricht. Jeweils ein Kapitel des
Films ist dem Probeläuten und dem feierlichen Wiedereinläuten am 28. März
2004 gewidmet. Den Abschluss bilden historische Informationen zur Dorfkirche.
Auch
dafür hat sich Wulfkühler wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Zufällig
traf er bei Aufnahmen den pensionierten Pfarrer Kurt Oberschäfer, langjähriges
Mitglied des Heidener Posaunenchores. "Ich hörte ihn in der Kirche
Trompete spielen und fragte, ob er einige Bildsequenzen musikalisch vertonen
könne. Herr Oberschäfer war sofort dazu bereit", erinnert sich Wulfkühler.
Auch dies ein Beitrag zu einem anspruchsvollen, technisch perfekten Film, der
den Vergleich mit Werken professioneller Produzenten nicht im Geringsten zu
scheuen braucht. "Ich betreibe alles nur als Hobby und hoffe, dass ich mir
mit dem Verkauf der DVDs und Videos ein kleines Zubrot verdienen kann."
Dirk Wulfkühler möchte mit seiner Produktion, die über ein Jahr Zeit
verschlang, aber auch auf sich aufmerksam machen. Der sehnlichste Wunsch des
Hageners ist es, nach Jahren der Arbeitslosigkeit endlich wieder einen Job zu
finden. Am liebsten in der Medien-Branche.
Lippische Landes-Zeitung – Samstag, 6. November 2004